• Kiesler Gropius Bau Berlin 1

    Foto © Jirka Jansch

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Friedrich Kiesler: Architekt, Künstler, VisionärMartin-Gropius-Bau, Berlin (D)

PROJEKTFELDER: Ausstellungsprojekte
AUFTRAGGEBER: Österreichische Friedrich und Lillian Kiesler Privatstiftung Wien
TEAM: Dieter Bogner
ZEITRAUM: 2016/2017
AUSSTELLUNGSDAUER: 11. März−11. Juni 2017

UNSERE LEISTUNGEN:
Ausstellungs- und Katalogkonzeption und Betreuung der Umsetzung (gemeinsam mit der Österreichischen Friedrich und Lillian Kiesler-Privatstiftung Wien/Gerd Zillner, Peter Bogner)

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Widerentdeckte Moderne I
Berlin 1923! Friedrich Kieslers techno-futuristisches Bühnenbild für Karel Čapeks Theaterstück W.U.R. wird von der in Berlin versammelten künstlerischen Avantgarde begeistert aufgenommen. Nach heutigem Wissensstand betritt Kiesler damit erstmals die Bühne der europäischen Moderne und dies sofort mit nachhaltigem Erfolg. Zu den Gratulanten gehörten u. a. László Moholy-Nagy, Theo van Doesbourg, Hans Richter. In einem im Tonfall dadaistischen Manifest fordert Kiesler eine radikale Erneuerung des Theaters, d.h. die Überwindung der Grenzen zwischen allen Kunstgattungen und aller neuen Stilkategorien: „Die Künste,“ heißt es dort, „Malerei, Plastik, Architektur, Musik, das Wort, der Tanz, besonders die bildenden Künste als individualistische Gestaltungsform müssen aus dem Theater verschwinden. Sie müssen ihren Selbständigkeitscharakter verlieren, um Teil einer Bühnentotalität werden zu können.“
Bereits in diesen Forderungen wird das als roter Faden Kieslers Arbeiten durchziehende ganzheitliche transdisziplinären Gestaltungskonzept erkennbar. Jüngsten Phänomenen in der zeitgenössischen Kunst und diese begleitende Theorien lassen ebenfalls traditionelle enge theoretische und methodische kategoriale Einschränkungen hinter sich, eine Entwicklung, die der wissenschaftlichen wie auch kreativen Auseinandersetzung mit Friedrich Kieslers Schaffen in hohem Masse entgegen kommt.
Während im Wiener Gesamtkunstwerk der Zeit um 1900 der Mensch eher eine störende Rolle spielt, spielt dieser in Kieslers alle Kategorien der Kunst sprengenden Totalgestaltung eine zentrale Rolle. Dem Besucher einer Ausstellung aber auch dem Mensch als „Bewohner“ eines Kunstwerks misst er die gleiche Bedeutung bei wie dem Schauspieler auf der Bühne. „Meant To Be Lived In“ lautet die Überschrift eine Artikels über Kieslers 1952 in LIFE über eine monumentale Holzskulptur, die aus einem Bühnenelement geschaffenen Rockefeller Galaxy. Auf dem begleitenden Foto sieht man Kiesler in der Skulptur sitzend, ebenso wie er sich sitzend inmitten einer in den frühen 1950er Jahren entstandenen nicht weniger radikalen Wand-Boden Galaxy fotografieren lässt und in seinem Spätwerk die große Bronzeplastk, Bucephalus, erst vollständig ist, wenn der Betrachter im geöffneten Bauch des toten Schlachtpferds Alexander des Großen liegt. Auch in der kreisförmigen Mobile Home Library sitzt der Leser im Zentrum eines durch Bücher bestimmten immateriellen Informationssystems. Die damit exemplarisch zum Ausdruck gebrachte Theorie des Correalismusbasiert auf der Forderung Kieslers nach einer primär dem Wohlbefinden und der Gesundheit des Menschen und der Gesellschaft dienenden Gestaltung. Kiesler sieht die menschliche Existenz grundlegend bestimmt durch die Wirkung eines elementaren Beziehungssystems natürlicher, technischer und menschlicher Kräfte. In diesem Sinn handelt Kieslers nicht realisiertes Projekt desEndless House vor allem über die Schaffung idealer Lebensbedingungen im Inneren und weniger um formale Aspekte seiner äußeren Erscheinung.
Wesentlich erscheint den Kuratoren dieser Ausstellung, dass das visionäre Schaffen Kieslers in der aktuellen Kunst- und Kulturszene eine ebenso neugierige und anregende Aufnahme findet, wie die Ausstattung des Theaterstücks W.U.R. in Berlin 1923.

Zur Ausstellung erschien ein umfangreicher Katalog, erhältlich bei Amazon, Thalia oder über die Website der Verlagsgruppe Random House.